Fachstelle Trauma und Flucht

Für Kinder und Jugendliche

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Fachstelle Trauma und Flucht · ·
Last updated Sep 30, 2022 - 11:50 AM Visible also to unregistered users
**Die Fachstelle Trauma und Flucht für Kinder und Jugendliche feiert ihren ersten Geburtstag** ![](file-guid:464b292f-d315-441a-bd6d-92b69b560afd "Fachstelle_01.jpg") „Ich habe endlich keine Angst mehr, wenn ich das Haus verlasse. Ich freue mich auf die Schule“ (Jounis, 17 Jahre). Jounis hat das Angebot zur psychischen Stabilisierung der Fachstelle Trauma und Flucht seit 8 Monaten besucht und kann nun sicherer auf den Alltag blicken. Die Fachstelle Trauma und Flucht für Kinder und Jugendliche wurde als Kooperationsprojekt des AWO Kreisverbands e.V. und der Diakonie für Bielefeld gGmbH im Juli 2021 gegründet. Nach einem knappen Jahr haben schon mehr als 40 unbegleitete Minderjährige und Kinder mit ihren Familien in Bielefeld und Kreis OWL Unterstützung durch die Fachstelle erhalten. Die drei Kolleginnen der Fachstelle arbeiten interdisziplinär zusammen und engagieren sich, die Kooperationen und Netzwerke für die geflüchteten jungen Menschen auszubauen. „Wenn die Betreuer:innen in Einrichtungen die Traumata und Symptome ihrer Minderjährigen verstehen, können Sie den Alltag viel leichter und traumasensibel gestalten. Das hilft allen“, beschreibt Frau Etzhold (Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin), die häufig Gespräche mit Jugendhilfeeinrichtungen und den Jugendlichen führt. Ein Schwerpunkt der Arbeit liegt in den Stabilisierungsangeboten für die belasteten Kinder und Jugendlichen. Die jungen Menschen haben meistens mehrfache traumatische Situationen erleben müssen: Krieg, Missbrauch, Zwangsehe, Rekrutierung als Kindersoldat bis zu tödlichen Gewalttaten gegen Menschen. Die Stabilisierung hat das Ziel, trotz auftretender Symptome den Alltag bewältigen zu können. Dazu dient das Erlernen von Techniken und Methoden, in denen innerlich ein sicherer Ort aufgebaut wird, an dem positive Gefühle überwiegen. Die Traumatisierung verursacht bei manchen derartigen Stress, dass das Gehirn nicht mehr zwischen hier und dort unterscheiden kann. Um ins Hier und Jetzt zurückzufinden, braucht es dann oft einen körperlichen Hinweis: ein Gummiband am Arm oder einen Stein im Schuh. Ein „Notfallkoffer“ zum Gedankenablenken, zum „an-Gutes-Erinnern“, zum „Gehirn-Neustarten“ wird von den Jugendlichen und ihren Beraterinnen gemeinsam gepackt. „**Das Gesicht scheint zu lachen, aber die Seele ist gebrochen**. Viele junge Menschen danken der Fachstelle, dass sie endlich einen Ort gefunden haben, an dem sie über ihre Erlebnisse oder ihre Trauer sprechen und gleichzeitig erlernen können, mit dem Erlebten zu leben“, berichtet Frau Fritz (Traumapädagogin). Im Alltag versuchen die jungen Menschen, in der Schule zu lernen, sich sportlich zu betätigen und von ihren schweren Gedanken abzulenken. Die Kinder und Jugendlichen machen sich Sorgen um ihre Eltern und Geschwister, die sie zurücklassen mussten oder die gestorben sind. Konzentrations- und Schlafstörungen sind nur einige Symptome, die den Alltag belasten. „Eine Traumadiagnostik kann helfen, die Folgesymptomatik ihrer traumatischen Erfahrungen zu verstehen und passende Anschlusstherapien zu suchen“ beschreibt Frau Zurmühlen (Psychologin M. Sc.). Die Fachstelle Trauma und Flucht begleitet Kinder und Jugendliche während ihres belastenden Alltages und unterstützt sie darin, sich und ihre Symptomatik besser zu verstehen. Dies macht das Ankommen in der neuen Heimat ein Stückchen leichter. Langfristig geht es in der Fachstelle Trauma und Flucht darum, dass junge Menschen wieder gesund werden, sich wohl und sicher fühlen, „gesellschaftsfähig“ sein können entgegen der alltäglichen Belastungen und Einschränkungen. Spenden kann die Fachstelle an vielen Stellen gut brauchen: In gemütlicher Umgebung spricht es sich besser als im kalten, weißen Büro; deshalb sollen Kissen, Decken, Lampen sowie Spielzeug und Kuscheltiere ebenso angeschafft werden wie Material für die Notfallkoffer. Ehrenamtliche, die mit den Kindern und Jugendlichen die Hausaufgaben machen möchten oder sich einfach treffen möchten zum Zeitverbringen, helfen den Geflüchteten beim „Ankommen“ und dabei, sich nicht mehr einsam zu fühlen. Wenn Sie sich angesprochen fühlen oder Fragen haben, wenden Sie sich gern an uns. ![](file-guid:a36b8723-0854-4b87-9c9b-eaea04010a7c "Fachstelle_02.jpg")